Buche, Birke, Fichte…oder Baum? 

Buche, Birke, Fichte…oder Baum? 

Die Natur mit ihrer Vielfalt ist wunderbar. Jeden Tag können Entdeckungen gemacht werden. Jeden Tag sieht der Wald ein wenig anders auch. Es gibt für uns Erwachsene mindestens genau so viel zu entdecken wie für Kinder.

Wir haben das Glück (siehe Tipi bauen) direkt am Waldrand zu wohnen und können jederzeit ohne großen Aufwand in den Wald laufen. Gerade der Herbst mit seinen vielen Farben lädt ein, in den Wald zu gehen und bunte Blätter, Kastanien, Bucheckern, Hagebutten usw. zu sammeln.

unterwegs mit dem Waldmobil

unterwegs mit dem Waldmobil

Regenwetter? - kein Problem für uns

Regenwetter? – kein Problem für uns

Unser Hoppelhase liebt die bunten Blätter, will wissen, warum Bäume so groß wachsen und Gras so klein bleibt, warum aus den Fichtenzapfen kleine Schuppen fallen wenn man sie schüttelt und kann den Fortpflanzungskreislauf von Moosen erklären. Geht es darum, gemeinsam Kastanien und Bucheckern zu sammeln, so scheint er komplett blind zu sein. Die fetteste Kastanie vor seinen Augen ist schier unauffindbar für ihn.

Die Lausemaus isst sich durch den Wald. Moos und Fichtenzapfen strich sie nach einer kurzen Verkostung schnell wieder von ihrem Speiseplan. Ebenso Laub und Erde. Bei Steinen scheint sie jedoch auf den Geschmack gekommen zu sein und unsere Spaziergänge enden meist direkt am Waldrand, da hier bereits die ersten schönen Steine geschleckt und gekostet werden können. Von Brombeeren, Himbeeren und Erdbeeren aus dem Wald kann keines unserer Kinder genug bekommen.

Hmm, so ein Fichtenzapfen schmeckt sicher lecker

Hmm, so ein Fichtenzapfen schmeckt sicher lecker

So hat jeder sein Spezialgebiet und die Natur hat für jede Persönlichkeit genug zu entdecken. Für mich ist wichtig, dass ein Kind ab einem gewissen Alter lernt, einen Baum (einen Strauch, eine Blume) zu erkennen und zu benennen. Nicht nur als „ein Baum“, sondern als „eine Buche“, „eine Fichte“,… Ich würde sagen, dass man bereits im Alter zwischen 2 und 3 Jahren mit einfachen Benennungen beginnen kann. Mein Vater war mit mir sehr oft unterwegs und hat mir während unserer Spaziergänge die Bäume und Sträucher unserer Umgebung beigebracht. Später erweiterte ich mein Wissen in der Schule im Unterricht und 2010 absolvierte ich die Ausbildung zur „Tiroler Naturführerin“. Vielleicht habe ich gerade aus diesem persönlichen Interesse heraus sehr hohe Ansprüche an das Erkennen und Verstehen der Natur an unsere Kinder. Ich durfte jedoch feststellen, dass diese gar nicht so utopisch sind und unser fünfjähriger Hoppelhase bereits ein umfangreiches Wissen ansammeln konnte.

So mancher von euch wird sich jetzt fragen: Warum sollen das meine Kinder wissen? Das braucht doch keiner für das spätere Leben? Ein Baum ist und bleibt ein Baum und damit will ich mich nicht auseinandersetzen. Das ist ein berechtigter Einwurf und ich denke, dass jeder das vermitteln soll, was für ihn wichtig ist. Meine Sichtweise: Die Natur ist ein Teil unseres Lebens und sich darin zurechtzufinden empfinde ich als etwas sehr Wichtiges und auch Kostbares

Mit welchem Baum soll ich beginnen?
Wir starteten ganz klassisch mit der Birke. Der Stamm mit seiner weißen Rinde ist eindeutig von all den anderen Bäumen unterscheidbar und für Kinder super leicht zu erkennen. Mehr braucht es zu Beginn nicht.

Birke

Birke – Birkenrinde – Birkenblätter

Die nächsten Bäume waren die Fichte und die Buche. Ich habe beide gleichzeitig gewählt, da man in Mischwäldern sehr oft beide Baumarten nebeneinander findet. Der Stamm der Buche ist glatt und sie ist ein Laubbaum mit ovalen grünen Blättern.

Buche

Buche – Buchenrinde – Buchenblätter

Fichte

Fichte – Fichtenrinde – Fichtenzapfen

Die Fichte hat eine sehr raue Rinde und ist ein Nadelbaum. Die Zapfen HÄNGEN an den Ästen. Ganz wichtig bei den Kindern: Angreifen lassen. Mein Zugang zu dem Thema ist meist: Hoppelhase, greif einmal den Baum an. Wie fühlt er sich an? Weißt du noch, wie das heißt, was du gerade angreifst? (Rinde) Und je nach Antwort, greife ich dann auf und führe weiter. „Ja, der Baum ist glatt. Schau einmal den Baum daneben an. Wie sieht der aus? Wie greift er sich an?“ Der Hoppelhase läuft dann meist ein paar Mal zwischen den verschiedenen Bäumen hin und her und fühlt und vergleicht. Ich nenne ihm den Namen der Bäume und sage ihm, dass er doch einmal nach oben schauen soll. Wie sehen denn die Bäume aus? Was wächst? Wachsen Blätter? Sind es Nadeln? Erkennt man sonst noch etwas?

Haselnuss und Kastanie streute ich immer wieder bei Spaziergängen ein, wenn es passend war, jedoch war mit 3 Jahren das Pensum mit 3 Bäumen genug.

Manchmal mache ich auch ein kleines Spiel daraus. Wenn der Hase fragt, wie weit er vorlaufen kann, so sage ich ihm meist einen Baum oder Strauch als Anhaltspunkt. „Du darfst bis zu der großen Buche laufen.“ „Bei der Fichte neben dem großen Felsen bleibst du stehen.“

Letztes Jahr im Herbst, unser Hoppelhase war 4 Jahre alt, begann ich, neue Bäume dazuzugeben. Wir begannen mit Fichte und Tanne. Wir versuchten, die Bäume zu unterscheiden und bei jedem Spaziergang untersuchten wir die Bäume.

Fichte: rauhe Rinde, Nadeln, Zapfen hängen
Tanne: Rauhe Rinde, Nadeln, Zapfen stehen
Eiche: rauhe Rinde, gewellte Blätter, Früchte (Eicheln)

Tanne

Tannen – Tannenzapfen, Spindel*, Samen – Zapfen am Zweig

Eiche

Eicheln – Eichenblätter

Im Wald findet man keine Tannenzapfen, da nur die Fichtenzapfen zu Boden fallen. Bei den Tannen bleibt die Spindel stehen, und nur die Schuppen fallen zu Boden. Ein Detail, welches unser Hoppelhase bereits genau weiß und manchmal fällt es ihm sogar beim Lesen von Kinderbüchern auf. Die Kinder im Buch sammeln z.B. Tannenzapfen. Meist lesen wir darüber, doch manchmal kam bereits der Einwurf: „Du Mama, Tannenzapfen gibt es doch gar nicht zu sammeln. Das waren sicher Fichtenzapfen.“ Das sind dann meine „ich-bin-so-stolz“ Mama Momente. Jaaa, ich bin verrückt. Ein klein wenig.

Diese Liste der Bäume und Sträucher kann beliebig erweitert werden. Überfordert eure Kinder nicht, habt aber keine Angst sie zu fordern und ihnen etwas zuzutrauen.

Hier habe ich ein paar von Hoppelhases Fragen und meinen Antworten gesammelt. Vielleicht wurden euch bereits die selben Fragen gestellt.

Hoppelhase: „Warum haben die Bäume im Wald nur ganz oben Blätter/Nadeln? Sind die Bäume kaputt?“
Antwort: „Die Bäume sind nicht kaputt. Aber Blätter und Nadeln brauchen Licht und im Wald am Boden ist fast immer nur Schatten. Nur ganz oben kann die Sonne die Blätter erreichen und darum wachsen nur dort welche.“

Hoppelhase: „Warum brauchen die Blätter Licht?“
Antwort: „Die Blätter machen aus dem Licht Nahrung für den Baum und gleichzeitig erzeugen sie den Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen.“ (dem folgt eine Diskussion über Atmung und Lunge und so weiter…aber das würde den Rahmen sprengen)

Hoppelhase: „Wie alt sind die Bäume“
Antwort: „Je dicker der Baum, umso älter. Genau weiß man das aber erst, wenn man den Baum umschneidet und die Jahresringe zählt. Jedes Jahr wächst der Baum ein Stück in die Breite, wird dicker, und jedes Jahr entsteht ein Ring/Kreis.“

Hoppelhase: „Können wir den Baum umschneiden und schauen wie alt er ist?“
Antwort: „Nein, das dürfen wir nicht. Aber wir können uns einen Baumstumpf suchen und zählen.“

Hoppelhase: „Warum ist die Birke Weiß?“
Antwort: „Das weiß ich jetzt nicht. Da müssen wir zu Hause nachlesen.“
(Das Weiß der Birke kommt von der weißen Schicht Betulin, welche direkt unter der hauchdünnen Rindenschicht liegt. Zieht man diese erste Schicht ab, so kann man die weiße Substanz fühlen (mehlähnlich).)

Hoppelhase: „Warum heißt das bei den Zapfen Spindel?“
Antwort: „Weil es so aussieht wie die Spindel beim Spinnrad.“ (wir schauten am Handy natürlich gleich das Spinnrad an und sprachen über das Spinnen….)

Hoppelhase: „Warum heißen die Bucheckern wie Eck? Die sind ja rund.“
Antwort: „Ganz rund sind sie nicht. Schau sie dir mal genau an. Ich glaube die heißen so, weil sie ein wenig eckig/kantig sind. Aber das weiß ich jetzt auch nicht sicher.“

Hoppelhase: „Warum heißt die Buche Buche? Macht man daraus Bücher?“
Antwort: „Nein, die heißt einfach so. Das hat sich einmal jemand ausgedacht.“ (hier bin ich absichtlich nicht auf die Papierherstellung aus Holzfasern eingegangen, da wir sonst Ewigkeiten über die Papierherstellung diskutiert hätten.)

Ich habe sicherlich an die 289 Fragen vergessen. Die Liste könnte endlos weitergeführt werden.

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Welche Fragen stellen eure Kinder im Wald?
Habt ihr selbst Fragen zum Thema Wald?

* Bild Spindel Wikipedia

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