Der Abend zu zweit: Idyllische Vorstellung und Realität

Als wir noch keine Kinder hatten, hatte ich vom Bettgehen eine idyllische Vorstellung. Ich würde meine Kinder mit Liebe ins Bett bringen, ihnen vorlesen und sie würden seelenruhig einschlafen. Anschließend würden wir zu zweit noch den Rest des Abends genießen.

Was ich heute zu mir selbst sagen würde: HAHAHA, Witz des Tages.

Doch manchmal sprechen wir sogar heute noch beim Frühstück über Pläne für den Abend: „Meinst du, wir schaffen heute eine Folge der Serie?“
„Welche denn?“
„XY“
„Na, da dauert eine Folge 45 Minuten, das schaffen wir nie.“
Wenn wir nämlich einen Film innerhalb von 5 Abenden schaffen, ist das ein ziemlicher Erfolg!

Von der idyllischen Vorstellung zum Feldwebel

Die Realität sieht freilich anders aus: Um etwa 17.00 Uhr beginnt die Stimmung zu kippen. Die 6 Monate alten Minis haben langsam genug vom Geschrei der Großen (mittlerweile fast 3 und 7 Jahre alt) und machen mit lautem Gejammere deutlich, dass sie nur noch getragen werden möchten. Weil sie ziemlich erledigt sind und das Erlebte ab dem späten Nachmittag nur noch schwer verarbeiten können, kommt bei unseren zwei Zwergen der Großteil der Milch schwallartig retour, was dazu führt, dass wir sie zum 20. Mal am Tag umziehen (und ich mich wieder einmal frage, ob ein Wäschetrockner nicht doch eine sinnvolle Investition wäre). Bei den Großen ist die Blutzuckerkurve so stark gesunken, dass entweder gestritten oder getreten wird. Hilfe, zur Rettung, lieber Fernseher, damit man zumindest etwas zu essen vorbereiten kann ohne dass das Wohnzimmer demoliert wird!

„Was möchtet ihr denn?“ … „Pizza, Würstel, Toast!“ (Ja, warum frage ich eigentlich. Das ist ausgewogene Ernährung. Egal, Hauptsache, sie essen.)
Halb verhungert schnappen sie sich vorher schon alles was sie gerade finden – ob Gummibären, eine Banane oder ein Glas Milch auf Ex – Hauptsache Brennstoff. Ist das Essen dann nach einer gefühlten Ewigkeit auf dem Tisch, müssen sie natürlich zu ihrem Glück gezwungen werden, um zum Tisch zu kommen. Was am Tisch selbst passiert, braucht einen eigenen Beitrag, das spare ich mir also an der Stelle.

Um etwa 18.00 Uhr sind die Bäuche gefüllt, die Stimmungskurve steigt für etwa 20 Minuten („Mei, schau, um die Zeit spielen sie immer so lieb miteinander.“). Um maximal 18:30 Uhr ist es dann doch endgültig vorbei. Wir müssen ins Bett!

Versuch 1: „Kommt, wir gehen jetzt ins Bett.“ Keine Reaktion.
Versuch 2: Der Ton wird lauter „Wir gehen JETZT ins Bett.“ … „Jaaaa“. Niemand kommt.
Versuch 3: Leicht genervt: „Habt ihr mich eigentlich gehört. Es ist JETZT Zeit fürs Bett. JETZT.“
Die kleinen Minis sind in den meisten Fällen vor wenigen Minuten eingeschlafen. Die zwei Großen schaffen es ganz sicher, die Kleinen jetzt mit Getrampel und Geschrei wieder aufzuwecken. Was für eine nette Geste für denjenigen, der an dem Tag bei den Minis unten bleibt – so hat ganz sicher niemand Ruhe und es gibt vier schreiende Kinder, wunderbar.

Ich habe es mittlerweile geschafft, mit den Großen aufwärts Richtung Bett zu gehen. Vorher aber bitte noch das Drama im Bad: Wie jeden Tag heißt es WC, Zähne putzen und Pyjama anziehen, die Kleine braucht auch noch eine Panty (Keine Windel, das ist ganz wichtig, wir benutzen Panties!). Gegenseitig stachelt man sich auf. Warum man einen Pyjama braucht, kann man auch zum 500. Mal fragen und überhaupt ist es viel lustiger, mit der Zahnbürste das Waschbecken anstatt die Mundhöhle zu putzen. Das Klopapier könnte auch noch durch die Luft fliegen und wenn ich mich kurz wegdrehe, könnte man noch das Waschbecken fluten.

Wenn auch diese Etappe geschafft ist, geht es ins Bett – bester Laune und überhaupt nicht genervt, versteht sich. An guten Tagen muss ich nur ein paarmal im ärgsten Feldwebel-Tonfall sagen, dass es jetzt definitiv Zeit ist zu schlafen – nicht hüpfen, schreien, treten, sondern zu schlafen. An guten Tagen funktioniert das. An schlechten Tagen könnte man ja doch noch auf die Idee kommen, etwas trinken zu müssen, noch Hunger zu haben („Du bist so gemein, du hast mir zu wenig zu essen gegeben“, sagt der Junior, der mich eine Stunde vorher noch beschimpft hat, warum er immer etwas essen muss). Und so weiter und so fort.
Bis 19:30 Uhr sind die beiden in der Regel im Traumland. Ich wandere wieder abwärts Richtung Wohnzimmer, wo die Minis vermutlich schreiend – weil müde oder hungrig, warten. Diese abendliche Entspannung…

Fläschchen machen, aufräumen, Küchenchaos beseitigen, Wäsche aufhängen, …

Bis 21.00 Uhr schlafen auch die zwei Kleinen und wir Großen sind erledigt. Jetzt noch fernsehen? Nein, das zahlt sich nicht mehr aus. Also wandert man auch selbst ins Bett, schlägt ein Buch auf und versucht zu lesen. Nachdem man eine Seite fünfmal gelesen hat und noch immer nicht verstanden hat, worum es geht, ist es Zeit aufzugeben.

Bevor man das Licht abdreht, wirft man aber doch noch einen Blick auf die schlafenden Kinder: „Mei schau, so lieb sind sie.“

Dann fallen wir selbst in den Schlaf und träumen davon, irgendwann wieder einen Abend zu zweit genießen zu können: Die Zeit kommt bestimmt, irgendwann. Bis dahin: Durchhalten, Commander! Alles nur eine Phase…

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