Warum koche ich nicht dreimal am Tag Würstel?

Warum koche ich nicht dreimal am Tag Würstel?

„Es gibt Tage, da wünscht‘ ich, ich wär mein Hund,
Ich läg‘ faul auf meinem Kissen und säh‘ mir mitleidig zu,
Wie mich wilde Hektik packt zur Morgenstund‘,
Und verdrossen von dem Schauspiel, legt‘ ich mich zurück zur Ruh‘.“
Ein sehr treffender Liedertext von Reinhard Mey. Als Elternteil würde ich mir auch manchmal wünschen, ein Hund zu sein, denn dann könnte ich mich einfach in meine Hundehütte davonstehlen und meine Ruhe haben.

Ich bin (oder war) begeisterte Köchin. Ernährung ist ein spannendes Thema, die Küche ist mein Labor, indem immer wieder Neues probiert wird. Zwar beginnt der Tag ausnahmslos mit einem Stück Schokolade (das müssen die Kinder nicht wissen), davon abgesehen gehöre ich zu denen, die grüne Smoothies wirklich genießen, Obst und Gemüse lieben und immer frisch kochen.
„Wenn ich einmal Kinder habe, dann kaufe ich sicher keine Gläschen, sondern ich mache alles selbst“, so mein Credo vor einigen Jahren – kein Aufwand zu groß, Hauptsache die Kinder wachsen gesund auf. Hätte ich doch damals schon gewusst, dass Realität und Illusion – wie man in Österreich so schön sagt – zwei Paar Schuhe sind.
Meine Illusion, der Star der gesunden Kinderküche zu werden, war schnell vorbei. Selbstgemachte Breie: verweigert von beiden Kindern. Darauf folgten – mit Wehmut – gekaufte Breie: verweigert von beiden Kindern. Viele Versuche, viele Geschmacksrichtungen, alles wurde ausgespuckt.

Frühstück

Als verantwortungsvolle Familienköchin ist es mir ein großes Anliegen, dass der Tag gesund beginnt. So bekommt auch Hoppelhase immer einen kleinen Teller Obst (bei Lausemaus sind wir froh, wenn sie überhaupt ein paar Bissen isst). Bananen, Äpfel, Birnen, Rosinen und sogar Ananas werden serviert; lauter Sorten, die Hoppelhase grundsätzlich sehr gerne mag.

„Das schmeckt heute komisch“, befindet er. Die einzelnen Obstsorten sind gut, doch die exotische Kreuzung von Banane und Ananas (die beiden Sorten dürften in Berührung gekommen sein) ist nicht essbar. Weg ist der Teller. Mit der Gabel kann man auch am Tisch herumhammern – viel lustiger.
Lausemaus mag ‚Butter‘ (am besten einfach herunterschlecken, wer braucht schon Brot) und Käse‘ (pur, ganz viel davon). Was nicht schmeckt, wird sofort wieder ausgespuckt, wenn es ihr gerade in den Sinn kommt außerdem noch vom Tisch hinuntergeschmissen und mit ‚Bäh‘ quittiert.
Vielleicht findet sich noch irgendwo ein Wasserglas, damit man zumindest ein wenig am Tisch herumschmieren kann, wenn denn schon das Essen keinen Spaß macht.

Mittag

Gleiches Spiel von vorne. Heute habe ich es besonders gut gemeint. Quinoa-Auflauf, dazu Puten-Geschnetzeltes. Im Auflauf landen natürlich auch Käse, Kräuter, Karotten und vieles mehr. Mit Liebe stehe ich in der Küche und freue mich, dass ich heute richtig Lust am Kochen habe.
Das Fleisch wird verspeist, Lausemaus meint zum Auflauf – wie erwartet – BÄH, Hoppelhase hat miese Laune und beschließt schon vor dem Kosten, dass es nicht schmeckt, legt den Kopf auf den Tisch und hammert mit der Gabel herum.

Was jetzt?
In der Erziehung geht es nicht darum, alles richtig zu machen, neiiin, es gilt abzuwägen: Was ist das geringere Übel?
Variante 1: Pech gehabt, dann isst du eben nichts. Die Folge: Unterzucker und ganz miese Laune.
Variante 2: Butterbrot.
Ich entscheide mich für Letzteres, habe keine Lust auf einen anstrengenden Nachmittag. Am liebsten würde ich Hoppelhase das Brot aber ins Gesicht kleben.
Lausemaus findet einstweilen wieder ein bisschen Wasser. Ich spüre, wie meine Ohren rot werden – passiert immer, wenn ich mich ärgere. Heute explodieren sie gleich.

Abendessen

Es gibt Würstel mit den restlichen Spaghetti vom Vortag. Genüsslich mampfen beide Kinder in sich hinein.

Lektion gelernt. Koche am besten dreimal am Tag Würstel. Das schont die Nerven.

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